Wie ein Bild hier entsteht

6D_63736_400Mit der Sonne im Rücken fotografieren kann jeder – sagt man. Gerade bei Gegenlicht ergeben sich aber oft wunderbare Stimmungen. Was das menschliche Auge dabei zu leisten scheint ist enorm. Scheint, denn die meiste Arbeit macht nicht das Auge sondern die interne Bildverarbeitung im Gehirn. Die ist nämlich dafür zuständig, dass wie scheinbar so extreme Helligkeitsunterschiede wahrnehmen können. Anhand eines Beispiels will ich kurz zeigen wie viel Aufwand oft in so scheinbar einfachen Aufnahmen steckt.

Die Sonne ist etwas geschwächt durch den nicht ganz klaren Himmel, strahlt aber, zwei Stunden vor Sonnenuntergang im Juli, noch sehr kräftig! Im Mittelgrund ist das Felsmassiv der Pechofenhörner, deren zu uns gekehrte Seite völlig im Schatten liegt. Der Helligkeitsunterschied überfordert jeden Kamerasensor. Ein Verlaufsfilter birgt das gesteigerte Risiko von Flares (Blendenflecken und Reflexen). Da sie Sonne bereits tief überm Motiv steht und der Horizontverlauf nicht gradlinig ist, wäre ein Verlaufsfilter mit entsprechend hartem Übergang im Bild (für meinen Geschmack) zu sehr zu sehen. (Wäre jedoch insgesamt eine Alternative.)

Vor Ort: Ein Stativ hält die Kamera. Der Bildaufbau kann in Ruhe über einen Getriebeneiger (es tut natürlich auch jeder andere Stativkopf) erfolgen. Bei einer Belichtungsreihe kann man meist bei der Mehrfeldmessung der Kamera bleiben. Eingestellt ist eine Belichtungsreihe von 3 Aufnahmen (-2, 0, +2) und eine förderliche Blende, in dem Fall Blende 8 und natürlich als Dateiformat RAW. Nach dem Schafstellen ist der Autofokus abgeschaltet und auch die Bildstabilisierung (das trägt dazu bei, genau deckungsgleiche Bilder zu erhalten).Nach dieser Serie wird die Taste zu Belichtungsspeicherung (bei Canon die Sternchen-Taste) gedrückt und mit einem Holzspatel, Eisstiel oder dem Finger die Sonne abgedeckt und eine zweite Serie aufgenommen. Jetzt haben wir 6 einzelne Belichtungen auf der Karte.reihe

Am Rechner: Bilder werden von der Karte importiert. Umbenannt in Ordner strukturiert und mit passenden Tags versehen. Dann in Lightroom importiert (wenn der Import nicht schon über LR erfolgte).

flairWie befürchtet zeigt sich eine deutlicher Blendenfleck. Ungünstigerweise liegt er genau auf der Kante eines Felsens.

In Adobe Lightroom: Inzwischen verwende ich die ‚HDR‘ Funktion von LR ganz gern (wobei dabei ja kein echter 32bit Bild errechnet wird). Ich lasse also beide Serien in LR jeweils zu einem HDR zusammenfügen. Das zusammengefügt Bild ohne abgedeckte Sonne wird jetzt passend entwickelt. Die Entwicklungseinstellungen werden dann auf das Bild mit abgedeckter Sonne übertragen. Zusätzlich werden die Einstellungen zur Vignettierung auch auf das unterbelichtete Bild der Grundserie übertragen. Dann lasse ich LR die -2 Belichtung und die beiden HDR als Photoshop Ebenen öffnen.

In Adobe Photoshop: Die Drei Ebenen lasse ich automatisch ausrichten (Modus Repositionieren reicht!). (Wenn man die Mischmethode auf Differenz stellt kann man sehr gut kontrollieren ob die Ebenen korrekt übereinander liegen.)

Im konkreten Fall konnte ich es mir recht einfach machen und den Himmel und die Sonne aus der Grundserie mit nicht abgedeckter Sonne per (stellenweise nachbearbeitetem) Verlauf in der Maske mit der Serie mit abgedeckter Sonne überblenden. Damit sind mit einem Mahl alle Überstrahlungen und Flares weg. Da mir die LR HDR’s aber noch leichte Halos (zu helle Zonen am Übergang von dunklen zu hellen Bereichen) zeigen, überlagere ich das Ganze mit der unterbelichteten Aufnahme aus der Grundserie mit einer einfachen Luminanzmaske.

Um feine Details im Bild selektiv zu betonen nutze ich eine selbstgeschriebene Photoshop Aktion, die sich an der freaky-details-technik von Calvin Hollywood orientiert. Über eine Maske werden die Bereiche mit betonten Details sparsam und dosiert im Bild sichtbar gemacht.

Ein weiterer Schritt ist eine Ebene zur Reduktion der Farbsättigung im Bereich Blau (das betraf vor allem die Schatten der Felsen)

Die Zeichnung der Felsen am Kleinen Winterberg verbessere ich im LAB Modus mit einer Ebenen und eine weitere dient einer leichten Betonung der warm-roten Farbanteile. Farbkorrekturen mache ich grundsätzlich im LAB Modus. Was ich eigentlich nicht mache ist eine pauschale Einstellung der (Farb-) Sättigung und schon gar nicht nach oben. Das produziert für meinen Geschmack schnell unwirklich bunte Bilder!screen1_ps

Damit sind die grundlegenden Arbeiten in Photoshop erledigt. Je nach Präsentationsmedium würde jetzt noch geschärft oder eine Ebene zur finalen Rauschminderung eingefügt. Zuletzt wird noch einmal auf Fehler und Flecken kontrolliert.

Abschließend: Für die Präsentation im Netz ändere ich den Farbraum in sRGB und verkleinere das Bild auf eine Kantenlänge von 1024 Pixeln. Das geschieht über ein Macro das unter anderem ein mehrstufiges Verkleinerungsverfahren von Tony Kuyper (der mit den Luminanzmasken) verwendet. Als letztes kommt noch das NichtsAlsLicht Logo ins Bild.

 

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