Reisebericht Island – Winter 2014 | Teil I

6D_19107_400Bei schönstem,  warmen Frühlingswetter ging es von Dresden nach Schönefeld und von dort mit WOW-Air nach Island.
Am Flughafen Schönefeld legte ich mit meinen zwei großen Reisetaschen schon einmal eine Ehrenrunde hin. Den Abflug wie beim letzten mal im D-Bereich erwartend, schleppte ich die insgesamt 50 kg Gepäck quer übers Gelänge, um dann festzustellen, dass es doch vom A-Bereich losgehen sollte. Auf dem Rückweg verfluchte ich die schlechte Vorbereitung in Form der vergessenen 1-Euro-Münze für einen Gepäckrolli. Zu allem Überfluss schleifte auch die Jacke noch den halben Weg über im Dreck und sah aus, als hätte sie den Urlaub schon hinter und nicht erst vor sich. Nach einigem Hin und Her fand ich meinen Schalter im ersten Obergeschoß. Da die Schlangen schon eine hübsche Länge angenommen hatte, blieb mir genug Zeit, zu beobachten, wie diesmal auch schon hier das Handgepäck gewogen wurde. Ein Alptraum für Fotografen! Ich verstaute das Zweitgehäuse noch schnell in der Jackentasche und hielt den Rucksack auf der Waage auch hübsch aufrecht und damit auch die blinkende 11 Komma von der Anzeige. Für meinen damit nun genau 10 Kilo schweren Rucksack bekam ich das lila „pass“ Bändel verliehen und durfte sogar zwischen Gang- oder Fensterplatz wählen (die Vorabreservierung für 7 Euro hatte ich mir gespart). Die Handgepäckkontrolle verlief angenehm freundlich, die Dame fragte, ob ich mit diesem Gepäck öfter flöge – dann kenne ich ja die Prozedur! Während wir auf das Ergebnis der Sprengstoff-Spuren-Untersuchung warteten, gab es sogar noch einen netten Plausch über Wetter und Motive in Island. Kompliment, das hatte ich schon viel öfter, viel unentspannter erlebt.

Recht originell war auch die Einweisung an Bord. Sie könne nur zwei Worte Deutsch meinte die Purserette: „Danke“ und „Ku-gel-schreib-er“. Kugelschreiber muss wohl das достопримечательностей (Dostoprimetschatelnosti*) der Deutsch lernenden  Isländer sein. Die folgende Einleitung ist dann aber durchaus hörenswert: Wir lernten die Dinge, die wir tun oder lassen sollten im Flugzeug und wir lernten, was Sitzlehnen und Mundwinkel gemeinsam haben bei einem WOW-Flug: Sie bleiben oben! Die Schwimmweste sei nicht zweckmäßig, sie ist schick und hat darüber hinaus auch noch tolle Accessoires,  in die man hineinblasen kann oder die leuchten können.

Pünktlich und ohne die Schwimmwesten benutzt zu haben, landeten wir in Keflavik. Diesmal nutzte ich die Wartezeit aufs Gepäck zum Geldholen an der ATM, diese hier schluckte auch anstandslos meine Visakarte. (Die im Foyer hatte im letzten Jahr nur ec-Karten korrekt verarbeitet.) Die Autovermietung war wieder schnell erledigt, diesmal stand mein Auto aber irgendwo ganz weit hinten. Ich ließ auf der Anmietung noch schnell einen kleinen Glasschaden nachtragen und dann ging’s los. 10 Minuten Fahrt zum Hotel Berg. (Kann ich übrigens nach wie vor empfehlen.) Das Wetter war auch in Island bestens und ich wollte den Sonnenschein noch für eine Runde auf der Halbinsel Reykjanes nutzen. Es hatte allerdings die letzten Tage noch viel geschneit und so bot sich ein völlig anderes Bild als im Oktober.
Da ich Gunnuhver Geothermalgeboiet Seltunschon kannte, entschied ich mich für ein anderes Geothermalfeld.Für Seltun, auch wenn es weiter entfernt lag. Leider hätte ich vorher besser auf das Luftbild achten sollen. Seltun  war strikt nach Osten ausgerichtet und hatte kein Licht mehr, als ich dort ankam. Der Aufstieg zum oberen Teil lohnte sich auch allenfalls wegen der Aussicht. Wer vor der Wahl steht zwischen Gunnuhver und Seltun, dem sei dringend zu Gunnuhver, als attraktiver, geraten. 6D_14733_400Leider zog es auch langsam zu und es war vorbei mit dem schönen Licht des Abends. Ich rumpelte noch das kurze Pistenstück nach  Selatangar und bis an den Strand. Hier stürmte es aber noch heftiger und der Himmel war nun völlig zugezogen. 6D_14713_400Weiter ging es zum Leuchtturm Reykjanesviti und der Landspitze dahinter. Der sehr starke Wind und der unattraktive Himmel ließen aber auf  keine guten Fotos hoffen.

 

 

 

In der Nacht wurde ich um halb zwei wach und versuchte bei der Gelegenheit, am Nachthimmel etwas zu erkennen. Sterne waren zu sehen, es war also wieder aufgeklart. War da etwa ein Schimmer am Himmel?! Ich machte den Kameratest. (15 sec, größte Blende, einfach aus der Hand, wenn‘s grün wird ist es Nordlicht, blau oder grau und es sind einfach nur Wolken.) Hier waren Straßenbeleuchtung und Licht des Ortes aber zu hell, um sich wirklich sicher zu sein. Ich stieg also wieder in die Sachen und machte mich skeptisch auf hinters Haus. Die ganze Umgebung war hier stark beleuchtet und erst ein Stück hinterm Haus war ein Hügel der Steilküste, an dem es etwas weniger hell war. Schon auf der Straße war ich mir auch ohne Kameratest sicher, dass ist tatsächlich Polarlicht! Also wieder rein ins Haus und dann zum Auto, alles zusammengesucht und zum Hügel hinauf.6D_14762_400 Leider war es immer noch stürmisch. Ich traute mich daher nicht, dass Stativ auszufahren. Wenig später zeigte sich über mir das stärkste Polarlicht, dass ich je gesehen habe. Auch mit bloßem Auge kräftig grün und tanzend, leider aber ziemlich hoch im Zenit und ohne jeden sinnvollen Vordergrund kaum zu fotografieren. Ich schoss, fast vom Boden aus, immerhin ein paar Erinnerungsfotos. Nach etwa 20 Minuten war alles vorbei. Trotzdem war ich begeistert! Polarlicht, gleich in der ersten Nacht! Wenn das kein verheißungsvoller Auftakt ist.

weiter zum Teil II


*Sie haben nie Russisch gelernt? Dosto-prime-tschatel-nosti heißt Sehenswürdigkeiten und Niemand, der sich irgendwie dazu gebracht hat, diese Vokabel zu lernen, hat sie jemals wieder vergessen!

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